{"title":"Mercosur und das holländische Schnitzi","metaTitle":"Mercosur und das holländische Schnitzi – Ursula*Riegler","date":"14-01-2026","tags":"urs.isst","aufmacherbild":[{"description":null,"caption":"","link":null,"classes":null,"width":4284,"height":5712,"url":"https://www.ursulariegler.at/media/pages/journal/mercosur-und-das-hollandische-schnitzi/4d8b83d8c2-1768383563/schnitzi-1600x1600.jpg","url_1400":"https://www.ursulariegler.at/media/pages/journal/mercosur-und-das-hollandische-schnitzi/4d8b83d8c2-1768383563/schnitzi-1400x1400.jpg","url_1200":"https://www.ursulariegler.at/media/pages/journal/mercosur-und-das-hollandische-schnitzi/4d8b83d8c2-1768383563/schnitzi-1200x1200.jpg","url_1000":"https://www.ursulariegler.at/media/pages/journal/mercosur-und-das-hollandische-schnitzi/4d8b83d8c2-1768383563/schnitzi-1000x1000.jpg","url_800":"https://www.ursulariegler.at/media/pages/journal/mercosur-und-das-hollandische-schnitzi/4d8b83d8c2-1768383563/schnitzi-800x800.jpg","url_600":"https://www.ursulariegler.at/media/pages/journal/mercosur-und-das-hollandische-schnitzi/4d8b83d8c2-1768383563/schnitzi-600x600.jpg","url_400":"https://www.ursulariegler.at/media/pages/journal/mercosur-und-das-hollandische-schnitzi/4d8b83d8c2-1768383563/schnitzi-400x400.jpg","url_200":"https://www.ursulariegler.at/media/pages/journal/mercosur-und-das-hollandische-schnitzi/4d8b83d8c2-1768383563/schnitzi-200x200.jpg","url_thumb":"https://www.ursulariegler.at/media/pages/journal/mercosur-und-das-hollandische-schnitzi/4d8b83d8c2-1768383563/schnitzi-200x150.jpg","alt":null}],"intro":"<p>Beim Jahresauftakt der AMA Marketing monieren oberste Bauernbund- und Landwirtschafts-Standesvertreter, es brauche die Herkunftskennzeichnung in der Gastronomie und Mercosur sei quasi der Untergang der heimischen Landwirtschaft. Nun ja. Man hätte 25 Jahre Zeit gehabt, sich und vor allem die Bäuerinnen und Bauern auf die Zukunft vorzubereiten. Und völlig überraschend findet man gerade raus, dass jetzt schon sehr viele Schnitzis in Österreich aus holländischem Kalbfleisch gemacht werden. Hätte man doch bloss so etwas wie eine Herkunftskennzeichnung und könnte man doch bloss mit dem obersten Vertreter der Gastronomie auf kurzem Weg sprechen...</p>","description":"<p>Beim Jahresauftakt der AMA Marketing monieren oberste Bauernbund- und Landwirtschafts-Standesvertreter, es brauche die Herkunftskennzeichnung in der Gastronomie und Mercosur sei quasi der Untergang der heimischen Landwirtschaft. Nun ja. Man hätte 25 Jahre Zeit gehabt, sich und vor allem die Bäuerinnen und Bauern auf die Zukunft vorzubereiten. Und völlig überraschend findet man gerade raus, dass jetzt schon sehr viele Schnitzis in Österreich aus holländischem Kalbfleisch gemacht werden. Hätte man doch bloss so etwas wie eine Herkunftskennzeichnung und könnte man doch bloss mit dem obersten Vertreter der Gastronomie auf kurzem Weg sprechen...</p>","text":"<p>Das Wehklagen in der offiziellen, organisierten Landwirtschaft Österreichs ist groß. Mercosur sei der Untergang der heimischen Landwirtschaft, man müsse die Bäuerinnen und Bauern schützen, Regionalität sei das einzig Wahre und überhaupt. Beim Jahresauftakt der AMA Marketing, dem AMA Forum waren sich die Spitzen des Österreichischen Bauernbundes einig. Ein Freihandelsabkommen wird den österreichischen Markt mit billigen Lebensmittel in schlechter Qualität überschwemmen, während man heimischen Betrieben immer mehr Qualitätsbekenntnisse abringt. Die Schere gehe immer weiter auf, und das müsse man bekämpfen. So weit, so gut. Als Beobachterin dieser Diskussion frage ich mich, wie man die letzten 25 Jahre - so lange dauern die Verhandlungen bereits an - genützt hat, um die heimische Landwirtschaft, deren betriebswirtschaftliches Selbstverständnis und deren Kommunikation und Vermarktung fit für alle künftigen Herausforderungen zu machen. Es bleibt ein wenig der Eindruck, dass man Vergangenes und Bestehendes verwaltet, um nicht zugeben zu müssen, dass man vieles verschlafen hat, noch immer verschläft. Und das Schüren von Ängsten offenbar aktuell die einzige Strategie ist. Kann man so machen, muss man aber nicht. </p>\n<p>Zugleich veröffentlicht der ORF Vorarlberg eine <a href=\"https://vorarlberg.orf.at/stories/3337654/\">Recherche</a> des heimischen Recherchenetzwerks The Marker, die ergibt, dass (das Sample ist nicht groß, aber es kann davon ausgegangen werden, dass man hier hochrechnen kann auf den gesamten Markt) - völlig überraschend - ein großer Anteil des Kalbfleisch, das für unser geliebtes Schnitzi geklopft wird, von holländischen Kälbern stammt. Skandal. </p>\n<p>Seit Jahren frage ich mich, woher wir so viel Kalbfleisch haben wollen, dass angeblich von österreichischen Tieren für das Schnitzi im Gasthaus oder Restaurant in ganz Österreich verarbeitet wird. Meine persönliche, eher anekdotische Umfrage der letzten Jahre nach der Herkunft des gerade verspeisten Schnitzi ergibt, dass in sehr vielen Fällen die befragten Service-Mitarbeiter herumdrucken, nachfragen müssen oder dann mit irgendwelchen Ausflüchten zurückkommen. Angesichts dieser Tristesse erstaunlich, wie sehr wir in Österreich mit dem Eindruck hausieren gehen, so gut wie alles auf der Speisekarte käme ohnehin aus Österreich. </p>\n<p>Das muss aufhören. Nicht, weil man nicht selbst entscheiden sollte als Gastronom:in, welche Zutaten man kauft. Bitte macht das weiter und kauft, was wir wollt. Aber seid transparent und ehrlich dabei, zu kommunizieren, was es ist. Ich bin überzeugt, ein großer Anteil der Gäste legt aus unterschiedlichsten Gründen keinen Wert darauf, rein heimische Lebensmittel zu verzehren. Aber jene, die es im guten Glauben meinen, zu tun, sollten wissen, woran sie sind. Und - liebe oberste Landwirtschafts-Vertreter (Gendern ist nicht erforderlich) - ich verrate euch ein Geheimnis. Diejenigen, die in der Standesvertretung der Gastronomie seit langem gegen die Herkunftskennzeichnung kämpfen, sind meines Wissens Mitglieder der gleichen politischen Partei wie ihr. Bitte, gerne.</p>","swiper":[]}